
Das Jahr 1918, in dem Klimt und Schiele starben, war in jeder
Hinsicht, in der Geschichte der Politik und der Kunst eine Zäsur. Es ist daher
nicht Zufall, dass Herbert Boeckl unbelastet von den großen Vorgängern ein
neues Kapitel der österreichischen Malerei eröffnen konnte, ein Kapitel das
mit dem Trümmerhaufen der Monarchie auch die Fin-de-siècle Dekadenz des frühen
Wiener Expressionismus hinter sich ließ. Er gehört künstlerisch bereits einer
neuen Generation an und war ihr, wie so oft in seinem Leben, zugleich weit
voraus.
Mit seinem großartigen Frühwerk hat er die österreichische Malerei aus der
Stagnation des Expressionismus herausgeführt und sie mit seinem Spätwerk von
der vom Ständestaat und Nationalsozialismus aufgezwungenem Provinzialität
befreit. Er war in der ersten als auch zweiten Republik die Identifikationsfigur
für die heimatlichen Künstler schlechthin. Sein Beitrag zum intellektuellen
und kulturellem Wiederaufbau Österreichs nach dem zweiten Weltkrieg ist kaum
hoch genug einzuschätzen, dies und sein einzigartiges und reiches künstlerisches
Schaffen sollte Herbert Boeckl die Aufnahme in den Parnaß garantieren.