Niemals vorher hatte ein Künstler die Anatomie so rücksichtslos
und ungeschminkt geschildert. Die intensiven, teilweise schrillen Farben von
Blut und Fleisch verstärken die "Lebendigkeit" des geöffneten
Leichnams. Er wirkt wie zum Gegenstand geworden, zu Studienzwecken bereitgestellt.
Und somit für bildnerische Darstellung zur Verfügung gestelltes
Motiv.
Dies schildert auch ein Chirurg, der Sohn des Malers, Oskar Boeckl: "Der
geöffnete Leichnam aber ist nicht nur ein nutzloses, verwesendes Bündel
Fleisch, nicht nur ein ausgebeutetes Ersatzteillager der Natur, nicht nur
ein unwiderlegbarer und unübersehbarer Protest gegen eine technisierte
Zivilisation, sondern auch Hoffnung für die Lebenden durch Erkenntnis.
Nirgends anderswo macht das Aufeinandertreffen von Naturwissenschaft und Kunst
so nachdenklich."
