Seckauer
Fresko
Im Sommer 1950 entsteht aus einem Gespräch zwischen dem Künstler und
dem Seckauer Abt Benedikt Reetz die Idee, Boeckl die Seckauer Engelkapelle freskieren
zu lassen. Der Abt erwartet sich von Boeckls Fresko eine "mächtige
Predigt für alle Zukunft".
Besonderes Vorbild ist dabei die romanische Wandmalerei Spaniens, die er auf
Studienreisen kennenlernt. Boeckl hat die Vision eines Gesamtkunstwerks, dessen
Vollendung ihn ein Jahrzehnt lang beschäftigen sollte.
Am Ende ist daraus eines der wichtigsten sakralen Kunstwerke des 20. Jahrhunderts
in Europa entstanden.
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Die
Altarwand an der Nordseite zeigt das vom Abt gewünschte
apokalyptische Lamm. Es bot Boeckl die Möglichkeit einer extensiven Apokalypse-Darstellung.
Er wählt die apokalyptische Thronvision des Johannes. Das leuchtend weiße,
springende Lamm mit sieben Augen nimmt die Mitte der Altarwand ein.
Es ist links flankiert vom "Starken Engel", der einen
Fuß auf das Meer setzt, den anderen auf das Land.
Rechts ist dessen Pendant, eine vom Künstler erdachte Personifizierung
der Hagia Sophia, die dem Lamm die sieben Siegel zur Erlösung zuwirft.
Um die Gruppe herum finden sich - kompositorisch zu einer Einheit verbunden
"vier Lebewesen": ein Löwe, ein Stier, ein Mensch und ein fliegender
Adler.
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Hauptseite
ist die Ostwand. Vergleichsweise locker werden
hier verschiedene Szenen der Apokalypse aneinandergefügt:
die Ausgießung der Zornesschalen, Fesselung des Drachens und Satans für
tausend Jahre, die vier apokalyptischen Reiter, der siebenköpfige Drache
usw. Auffällig häufig werden Engel als wesentliche Akteure der Apokalypse
in verschiedenen Gestalten abgebildet. Ruhender Pol im Geschehen ist eine in
das Zentrum gestellte Marienfigur. Über ihr schweben schwerelos zwei Engel
und die heilige Stadt Jerusalem.
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Das
apokalyptische Thema wird an der
Eingangs- und
der Fensterwand fortgesetzt, jedoch mit anderen Motiven vermischt.
Die Apokalypse schließt mit dem Erscheinen des Menschensohnes an der Südwand:
"Der Menschensohn mit der Sichel und das apokalyptische
Lamm stehen als zwei Identitäten Christi einaner gegenüber und bilden
so Anfang und Ende eines - ganz wörtlich zu nehmenden - gewaltigen Bilderbogens."
(Paul Naredi-Rainer)
Die
Fensterseite wollte der Künstler frei lassen,
erst auf drängende Bitten erklärte er sich bereit, einiges hinzumalen.
In reduzierter, zeichenhafter Form wird das Thema Schuld-Sühne-Erlösung
aufgegriffen. Der Bilderbogen endet mit dem Wort AMEN.Das Fresko war nicht von
ungefähr das meistbeachtete österreichsich Kunstwerk seiner Zeit.
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